Golden Gate – The missing Link
Ausgangspunkt für die Entwicklung der Hängeleuchte Golden Gate war der Ruf und Wunsch nach einer verlängerbaren Tischleuchte, die der befriedigenden Ausleuchtung selbst langer Tische Rechnung trug, welche Anfang der neunziger Jahre in Europa einen Boom erlebten, ausgehend von den traditionellen italienischen Familientischen und den Shaker-Möbeln aus Amerika mit etwa zweihundertjähriger Tradition; ein interessanter Nebenaspekt hierbei war die Vermarktung von Historisch-Amerikanischem, die nichts mit Wildwest zu tun hatte, und der Wunsch oder die Sehnsucht nach der großen Familie und Sippe, deren Existenz in unserer Zeit dramatisch und systematisch bedroht ist. Der immer mehr zur grausamen Alltagsrealität werdende Schwund privaten Raumes ließ den Wunsch nach solchen Tischen meist nur mit Ausziehmodellen verwirklichen, die Ausleuchtungsprobleme liegen da auf der Hand, wenn nicht die allgemeine Raumerhellung ausreichen sollte.
Zweiter Ansatzpunkt war eine Vakanz innerhalb meiner großen amerikanischen Serie, deren Stützpfeiler bis dato die Wandleuchte Point Lobos und das Lichtkonzept Marina Marrio waren. Thema und philosophisches Lager dieser Serie sind Wille nach Westen, Metropolitanismus, Weltoffenheit, Interkulturalität, neue Bausteine für eine ästhetische Grammatik, Zugang von gestalterischer Arbeit und Mikroarchitektur allgemein zu anderen Disziplinen wie z.B. der Mathematik, der Biologie, den Flugzeugbau oder aber auch der Gastronomie.

Die Golden Gate symbolisiert gewissermaßen den europäisch denkbaren Endpunkt westlichen Schaffens und erinnert gleichzeitig daran, daß westlich jenseits der Brücke unser ferner Osten liegt, sie ist das Missing Link zwischen Westdrang des Abendlandes und Ostwärtsstreben der großen asiatischen Volksgemeinschaften. Während des letzten Bauabschnittes der Brücke 1937 wurde die Farbauswahl an die Bevölkerung der San Francisco Bay übergeben und nicht zufällig wurde ein Industrierot gewählt, das die Brücke bei bestimmtem Tageslichteinfall golden oder gülden leuchten läßt. Jeder Betrachter hat über die spezielle Farbe der Golden Gate seine eigene Theorie und dieser Aspekt eröffnete bei der Entwicklung der Leuchte ein riesiges Spielfeld, auf dem es um den idealen Orangefund ging. Es ging nicht darum, den Farbton der Golden Gate Bridge in San Francisco zu kopieren, was sehr einfach gewesen wäre, sondern die Farbe zu wählen, die dem Betrachter selbst in künstlich illuminierten Räumen das Licht aufgehen läßt, welches er sich immer gewünscht hat.
Die leicht aufschwingenden Enden der Leuchte erinnern daran, daß dieselbe Farbe, oft in Verbindung mit Gold und Seegrün, in japanischen Tempelanlagen zu finden ist und dort eine ähnliche Sprache spricht.
Der Ausklappmechanismus wurde mittels Zugfedern erstellt, welche die Seitenteile jeweils in der waagerechten Position in beiden Zuständen halten. Die Reflektoren wurden so konstruiert, daß die 6 Lichtquellen in beiden Zuständen freien Abgang nach oben und unten haben, den Benutzer blendfrei lassen und gleichzeitig die Leuchte selbst illuminieren.

Georg Alexander Eisenhut, August 1994

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